Hundesport

Agility

Beat Akermann:
Erfolgserlebnisse und Erfolgsreserven (Herausforderungen)
beim Agility-Aufbau eines Holländischen Schäferhundes

Dieser Bericht soll:

  • Hundeführer zur Arbeit mit ihrem Hund motivieren
  • Agility als eine mögliche Hundesportart näher bringen
  • Erlebnisse mit Bennett aufzeigen
  • Was ist Agility

    Agility ist ein junger Hundesport der aus England stammt. Bei dieser Sportart müssen Hindernisse (meist 18-20), vom Hund so schnell als möglich, aber fehlerfrei in der richtigen Reihenfolge überwunden werden. Agility war als Rahmenprogramm für die Crufts 1977 (größte Hundeausstellung der Welt) vorgesehen und konnte so zum erstenmal dem Publikum vorgeführt werden. Der Erfolg war riesig und so entwickelte sich schnell eine neue, auf Geschicklichkeit aufgebaute Hundesportart.

    Agility setzt eine harmonische Beziehung zwischen dem Hund und seinem Führer voraus. Starke Teamleistungen (Erfolge) sind auf Vertrauen, Bindung und Motivation aufgebaut.

    Faszinierend bei diesem Sport ist, dass die Anforderungen an den Hundeführer mind. gleich hoch sind wie an den Hund (Fitness und Beweglichkeit im Denken).
    ==> Perfektion in der Geschwindigkeit.

    Es werden drei Größenkategorien von Hunden unterschieden; maßgebend ist die Widerristhöhe.

    • Small: kleiner als 35 cm
    • Medium: von 35 bis kleiner als 43 cm
    • Large: ab 43 cm

    Folgende Arbeitsklassen werden angeboten:

    • Small: 1, 2, und 3
    • Medium: 1, 2 und 3
    • Large: A, 1, 2, und 3 (A= Anfänger/Einsteiger)

    Jeder Hund muss immer in der niedrigsten Klasse beginnen und die Kriterien für die nächste Klasse erfüllen, damit er aufsteigen kann. An Wettkämpfen werden diverse Läufe ausgetragen. Diese können sein:

    • Offizieller Agility-Lauf (wird im Leistungsheft eingetragen)
    • Jumping (ohne Kontaktzonen, muss zwingend bei jedem Agility-Meeting durchgeführt werden; wird nicht im Leistungsheft eingetragen.)
    • Gambler (Spiel, normaler Parcours mit Joker)
    • Open (Spiel, normaler Agility-Parcours)

    Im Leistungsheft wird nur der offizielle Agility-Lauf eingetragen. Für den Aufstieg zählen nur die im Leistungsheft eingetragenen Läufe. Die Kriterien sind:

    • Bei 3 Podestplätzen ohne Fehler (V0) pro Kategorie muss aufgestiegen werden.
    • von Klase A in Klasse1: Bei 3 Läufen ohne Fehler (V0) kann aufgestiegen werden.
    • von Klasse 1 in Klasse 2: Bei 5 Läufen ohne Fehler (V0) kann aufgestiegen werden.
    • Für den Aufstieg in die Klasse 3 sind 3 Podestplätze ohne Fehler (V0) in der Klasse 2 erforderlich.

    Mehr Infos sind unter www.kamoweb.ch erhältlich.

    Aufbau (worauf kommt es an)

    • Der Hund soll vor allem gesund, wendig und schlank sein.
    • Der Hund sollte nicht zu groß sein. (68 - 70 cm Stockmaß nicht überschreiten)
    • Der eigentliche Aufbau soll, je nach Hund, nicht vor dem 1. Geburtstag beginnen.
    • Im Welpenalter kann die Gewöhnung an verschiedene Geräte beginnen. (Tabu sind natürlich die Sprünge)
    • Wichtig ist die Geduld des Hundeführers. Es dauert meist über ein Jahr, vom 1. Aufbautraining bis der Hundeführer in der Lage ist mit seinem Hund an einem Wettkampf teilzunehmen.
    • Agility heißt eben Behändigkeit auf 6 Beinen.

    Meine Erlebnisse mit Bennett

    Da ich die Sportart Agility bereits mit Dandy (Sennenhundmischling) betrieben habe, konnte ich auf einem vorhandenen Grundwissen aufbauen. Bennett habe ich schon im Welpenalter an Hindernisse, wie Tunnel, später auch den Sacktunnel, Laufsteg, Schrägwand auf den Boden gelegt etc., gewöhnt. Das bei mir gehen, rechts wie links, konnte er auch schon im Welpenalter üben (noch keine Unterordnung). Richtungsänderungen links und rechts habe ich ihm spielerisch beigebracht. Bennett konnte in Welpenspielgruppen, Junghundekurse und später in der Sporthundegruppe (Aufbau zu Prüfungen wie BH) Erfahrungen sammeln.

    Am 31. Mai 2000, also mit gut 1-jährig haben wir, bei Arlette Wagner in Gisikon, das erste Aufbautraining für Agility besucht. Dieses Training fand dann wöchentlich statt. Meine erste Herausforderung war, dass ich Bennett auf die Übungen konzentrieren konnte, denn er wollte jedem Hund klar machen, dass er der "Platzhirsch" sei. Dies ist uns eigentlich gut gelungen, denn Bennett hat schnell begriffen, dass es eine Arbeit zu erledigen gibt, ohne dass man dazwischen Ausflüge macht. Da der Übungsplatz mit Holzschnitzel belegt war, war auch die nächste Herausforderung geboren. Da alle sagten, Bennett sei ein sehr schöner Hund, dachte er wohl, dass Fell müsse für die Arbeit frei von Holzschnitzel sein. Wehe wenn ein solches Stück irgendwo im Fell war, musste es sofort weg. Sei es beim Start, oder nach Sprung, ein Unterbruch zur Reinigung war garantiert. Auch dies hatten wir bald wieder im Griff. Das für den Aufbau schwerste Hindernis, den Slalom, haben wir mittels einer Gasse und Bögen in Angriff genommen. Den Slalom hat Bennett jedes Mal mit sehr viel Begeisterung gearbeitet. Ab Ende August habe ich mit Bennett zusätzlich eine Trainingseinheit bei Marco Mouwen besucht. (Vorteil: andere Hindernisse, anderer Platz, andere Hunde etc.)

    Zu dieser Zeit gab es in der Kommunikation mit Bennett einige Schwierigkeiten. Er blieb plötzlich vor einem Hindernis stehen, (meist war es der Pneu) ohne dass irgendetwas vorgefallen wäre. Dann konnte er einem anschauen, als käme man von einem anderen Stern. Manchmal konnte, durch Motivation, das Problem behoben werden. Ich bekam aber auch immer mehr das Gefühl, dass er mich testen wollte. Einmal hat er das Spiel vor dem Pneu zu stark übertrieben, da habe ich ihn am Nacken gepackt, kurz geschüttelt und die Übung wieder begonnen. So perfekt und schnell hat er schon lange nicht mehr gearbeitet. Damit waren aber die Kommunikationsprobleme noch lange nicht behoben. Sie hatten eigentlich erst begonnen. Das Spiel ging natürlich weiter, aber nur immer schütteln konnte auch nicht die Lösung sein. Für mich war wichtig, dass ich mich richtig und für Bennett verständlich ausdrücken konnte (Befehlsgebung). Denn wenn ich zu früh eingriff, erntete ich das Meideverhalten und dies war Gift für eine harmonische Arbeit. Bei Bennett, ich glaube dies kann auch Rasse spezifisch sein, ist der Grat zwischen dem Dominanzspiel und dem Meideverhalten sehr schmal (im Alter von 1 - 2 Jahren).

    Ein kleines Missgeschick in einem Training sollte später noch fast schlaflose Nächte bereiten. Bennett wollte das Pneuhindernis etwas wuchtig passieren, er streifte mit den Schultern den Pneu, den er etwas mit sich zog und der bei der Landung von Bennett über seinen Kopf auf seine Vorderläufe fiel. Das Wichtigste: Bennett hat keine Verletzungen davon getragen. Meine Frage war nur, was bleibt haften, welche Verknüpfungen haben sich ergeben? Den Pneu haben wir sofort nochmals eingebaut. Es war kein Problem.

    Ende September 2000 waren wir in einer Trainingswoche bei Astrid Steiner. Es war ein sogenannter Circuit-Kurs (Fährten, Unterordnung, Agility und Schutzdienst). Agility wollte ich nur gezielt trainieren. (Slalom) Astrid Steiner hat einen speziellen Aufbau-Slalom mit versetzten Stangen. Schwerpunktmäßig habe ich mich für das Fährten und den Schutzdienst entschieden.

    Am 1. Tag wollten wir sehen wie Bennett mit diesem Slalom umgeht. Da passierte das Missgeschick: Als ich ihm beim Slalomeingang behilflich war, blieb ich mit meinem Gilet bei der ersten Stange hängen. Der ganze Slalom erhob sich, um dann mit viel Getöse auf den Boden zu fallen. Bennett erschrak und entfernte sich etwa 4 - 5 Meter vom Slalom. Er wollte nicht mehr zurückkommen und das Meideverhalten war wieder da. Die Verknüpfung zum Vorkommnis am Pneu war perfekt. Bennett wollte absolut nichts mehr vom Slalom wissen.

    Er kam, auch nach einer gewissen Zeit, nicht mehr in die Nähe des Slaloms. Wir haben lange diskutiert wie dieses Problem zu lösen sei und Astrid Steiner konnte später lange nicht einschlafen. Mitten in der Nacht kam ihr eine mögliche Lösung in den Sinn, die sie am anderen Morgen mit mir und dem Schutzdiensthelfer (Axel Redmer) diskutierte.

    Es entstand eine etwas ungewöhnliche, wie auch faszinierende, Idee. Da Bennett sehr gerne mit dem Schutzdiensthelfer arbeitete und vor allem sehr viel Trieb auf den Ärmel entwickelte, stand Axel etwa 10 Meter hinter dem Slalom. (in voller Schutzdienstmontur) Ich hielt Bennett an der Leine vor dem Slalom und Axel hat in voll motiviert. Bennett hatte nur diesen Ärmel fixiert und sehr viel Trieb entwickelt. In diesem Moment kam von mir das Kommando Slalom und ich ging mit ihm an der Leine durch den Slalom. Durch seinen Vorwärtstrieb schlug er natürlich ab und zu an den Stangen an, ohne dass er diesen Lärm, der dieses Meideverhalten ausgelöst hatte, beachtet hätte. Als er aus dem Slalom kam durfte er, in vollem Lauf, den Ärmel als Bestätigung abholen. Diese Übung haben wir 2 -3  mal wiederholt und am 3. Tag war der Slalom kein Problem mehr. Ab dem 4. Tag konnten wir mit dem geplanten Slalomaufbau beginnen. Bennett ist sicherlich in der Agility-Szene der einzige Hund der den Slalomaufbau mit einem Schutzdiensthelfer erlebt hat.

    So ab ca. Mitte Dezember 2000 konnte Bennett dann den Slalom fehlerfrei. Wir trainieren jetzt wöchentlich 1-2 mal Agility, (Trainer Jürg Haller bei AT "The Frisbees" Bremgarten und Marco Mouwen) sowie 1 mal in der Sporthundegruppe und seit März 2001 in einer Sani-Hundegruppe.1-2 mal pro Woche wird auch die Kondition trainiert mit Jogging oder dem Fahrrad.

    Nach gut 7 ½ Monaten Agility-Aufbau starteten wir, am 13. und 14. Januar 2001, an unserem 1. Agility-Meeting.

     

    Bisherige Wettkämpfe (nur im Leistungsheft aufgeführte Resultate):

    Large A - 7 Wettkämpfe

    • 3x  V5 (je 1Fehler)
    • 1x  Eliminé
    • 3x  V0 (2x 1.Rang und 1x 2.Rang)

    Large 1 - 3 Wettkämpfe

    • 3x  V0 (2x 1.Rang und 1x 2.Rang)

    Large 2 - 14 Wettkämpfe

    • 3x  V0 (1x 1. Rang, 1x 2 Rang und 1x 3.Rang)

    Aufstieg in die Klasse Large 3 am 20.01.2002 (genau 1 Jahr nach dem 1. Start in Large A).

    Zusätzlich hat Bennett noch Podestplätze in den diversen Spielen (Jumping, Open) erreicht.

    Größter Erfolg im Jahr 2001 war:

    • 3. Rang in der Wertung "Agility Dog of the Year" 2001

    Was Bennett besonders auszeichnet:

    • Er ist für sein junges Alter (3 Jahre) sehr sicher und überaus zuverlässig.
    • Er arbeitet mit sehr viel Freude und entwickelt den nötigen Trieb.
    • Er hat eine große Führigkeit und ist entsprechend lenkbar.

    Ich wünsche allen Hundebesitzern viel Spaß bei der Ausbildung ihrer Hunde, sowie bei der schönen und fordernder Sportart Agility. Wir dürfen nie vergessen, dass der Schlüssel zum Erfolg immer bei folgenden Punkten zu suchen ist:

    • Geduld
    • Vertrauen
    • Bindung
    • Motivation

    Herzlichen Dank an die Fotografen für die schönen Aufnahmen in Action: